Erste Ergebnisse des Pilotprojektes HUWY - Mehr Schutz und Rechte für Internetnutzer

Junge Internetnutzer haben viel Erfahrung mit den positiven, aber auch negativen Seiten des Internets – mehr jedenfalls als so mancher Erwachsene. Dieses Wissen sollen sie in die Politikgestaltung einbringen. Das ist Ziel des von der Europäischen Kommission geförderten Projekts HUWY (Hub Websites for Youth Participation), das vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI zusammen mit dem Verein Jugendpresse Deutschland organisiert wird. Die jungen Internet-Experten können dabei in den Dialog mit Politikern treten und so an Entscheidungen über deutsche und europäische Gesetze zum Thema Internet mitwirken. Jetzt gibt es erste Vorschläge von Jugendlichen.

Ein sehr wichtiges Thema mit gesellschaftlicher Brisanz ist die Zunahme von Cyberbullying. Immer mehr Jugendliche werden über das Internet, in Chatrooms oder mittels Mobiltelefonen beleidigt, gemobbt und belästigt, was in einigen Fällen sogar schon zum Selbstmord der Betroffenen geführt hat. Im HUWY-Summercamp diskutierten Jugendliche aus ganz Europa über das Internet der Zukunft und entwickelten gemeinsam eine Ratgeber-Broschüre zum Thema Cyberbullying. Sie informiert in erster Linie über das zunehmende Problem von virtuellem Mobbing von Personen und gibt wichtige Ratschläge, wie sich Opfer verhalten oder vor Cybermobbing schützen können.

Auch für die Politiker und die Medien stellten die Jugendlichen wichtige Gesetzesänderungen und gesellschaftliche Veränderungen zusammen, die im Zusammenhang von Cybermobbing passieren müssen, damit das Internet sicherer vor persönlichen Angriffen wird. „So empfehlen sie, dass zukünftig der komplette Name und die ID-Nummer bei der Registrierung in sozialen Netzwerken anzugeben ist, damit im Falle eines Missbrauchs sofort klar ist, wer der Inhaber des Kontos ist. Eine Hotline sowie Therapien für die Opfer sollten ebenso eingerichtet werden wie Gesetze zur Bestrafung der Täter“, fasst Projektleiter Dr. Ralf Lindner zusammen.

Wichtig ist den Jugendlichen auch das Thema Filesharing von Daten im Internet. Es ist einer der häufigsten Gesetzesbrüche, der hauptsächlich von Jugendlichen und jungen Erwachsenen verübt wird. Meist ist es ihnen nicht mal bewusst, welche möglichen Konsequenzen auf sie zukommen. Die jungen Internetexperten einer Freiburger Gruppe kamen nach langer Diskussion zu der Ansicht, dass das aktuelle Urheberrecht vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen nicht mehr zeitgemäß ist. Der Tausch von Filmen und Musik ist ihrer Meinung nach schon viel zu tief verwurzelt in der (jungen) Gesellschaft, als dass man durch noch härtere Bestrafung erreichen könnte, dass diese Medien wieder zunehmend legal getauscht werden. Auch die neueren Bestrebungen wie etwa der britischen Regierung, den Datenverkehr stärker zu überwachen und gegebenenfalls die Internetverbindung abzustellen, werden das eigentliche Problem nicht lösen, so die Meinung der Jugendlichen. Selbst bei einer noch stärkeren Überwachung wird es immer Möglichkeiten geben, Daten zu tauschen.

Vorschlag der Jugendlichen: Das Urheberrecht muss überarbeitet werden, um den modernen Möglichkeiten der Informationsbearbeitung Raum zu schaffen. Es soll Kreativität ermöglichen und nicht bremsen beziehungsweise sanktionieren. Dabei muss dem geistigen Eigentum selbstverständlich weiterhin Rechnung getragen werden. Da es sich hierbei um die Veränderung bestehender Rechtsprechung handelt, muss die Politik entsprechend handeln. „Die Jugendlichen kommen in ihrer Diskussion zu dem Ergebnis, dass die Politik gerade in dieser Angelegenheit viele Entwicklungen regelrecht verschlafen hat. Durch HUWY bekommen sie ein Sprachrohr, ihre Ansichten darzustellen und tragen so dazu bei, dass bürgernahe und innovationsfördernde Gesetzgebungen auf den Weg gebracht werden können“, freut sich Dr. Ralf Lindner über die rege Beteiligung und die Vorschläge der Jugendlichen.

Weitere Ergebnisse zu internetspezifischen Themen aus einigen dezentralen Diskussionen, die in sozialen Netzwerken wie SchülerVZ, Facebook, in Foren, auf Webseiten von Jugendorganisationen oder auch offline geführt wurden, können auf der Webseite www.huwy.eu nachgelesen werden. Die Diskussionsergebnisse, Anregungen, Ideen und Gesetzesvorschläge sollen politischen Entscheidern zur Verfügung gestellt werden. Diese kommentieren die Ergebnisse und bringen sie im besten Fall in den politischen Prozess der internetbezogenen Gesetzgebung ein. Neben der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Dr. Kristina Schröder unterstützen der Bundesbeauftragte für den Datenschutz Peter Schaar und viele weitere Politiker das Projekt und hoffen auf viele Ideen, Anregungen und Vorschläge zur Netzpolitik.

Interessenten zwischen 16 und 24 Jahren können sich auch weiter am Projekt HUWY beteiligen und ihre Ideen zu internetspezifischen Inhalten beitragen. Die Anmeldung ist per Mail an HUWY@isi.fraunhofer.de oder auf der Homepage möglich. Über die Teilnahme wird ein Zertifikat ausgestellt.

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft (idw)


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