Ein fast unbekanntes Drama von Agatha Christie

Am 15. September jährt sich Agatha Christies Geburtstag zum 120. Mal. Eigentlich ist alles, was die „Queen of Crime“ je geschrieben hat, längst bekannt. Doch Dr. Michael Heinze, Anglist an der Heinrich-Heine-Universität, kennt ein Theaterstück, um das sonst kaum einer weiß: „Chimneys“, wahrscheinlich 1930 verfasst, galt bis vor wenigen Jahren als verschollen.

„Selbst der Enkel Mathew Prichard wusste nichts vom dem Stück“, berichtet Dr. Michael Heinze. Er selbst schätzt das Drama als „genre-untypisch und untypisch für Agatha Christie“ ein, da es nicht nur um Mord, sondern auch um diplomatische Ränkespiele gehe. Erzählt wird die Geschichte des herzslowakischen Prinzen Michael Obolovitch, der im englischen Exil lebt und in seinem Heimatland wieder an die Macht gelangen möchte.

Eigentlich sollte das Drama 1931 in London uraufgeführt werden, doch eine Woche vor der Premiere wurde es aus unbekannten Gründen wieder vom Spielplan abgesetzt. „Bis 1968 gab es in England das Lord Chamberlain’s Office, die Zensurbehörde, bei dem alle Dramen vor der Aufführung eingereicht werden mussten. Auch ein Exemplar von Chimneys lagerte hier, mit der Schließung gingen die Bestände in den Besitz der British Libery über“, berichtet Heinze. „Doch das muss man sich so vorstellen, dass es einfach mit vielen anderen in einer großen Kiste lag, über deren Inhalt niemand genaues wusste.“

2003 fand sich dann im kanadischen Calgary ein Exemplar, wie genau es dorthin gekommen ist, ist unklar. „Es kann sein, dass ein Agent es an eine Schauspielerin geschickt hat, die es dann über die Jahre vergessen hat“, vermutet Heinze. Zur Wiedereröffnung des Vertigo Mystery Theatre 2003 wurde das nun wieder gefundene Stück uraufgeführt.

Wie so oft hat Agatha Christie den Stoff nicht nur als Drama, sondern auch als Roman genutzt, dieser ist unter dem Titel „Die Memoiren des Grafen“ ins Deutsche übersetzt. Als Theaterstück hingegen wird es wohl auch weiterhin unbekannt bleiben, so wurde es bislang nicht gedruckt und wird es nach Heinzes Einschätzung wohl auch nicht: „Es hat strukturelle Schwächen.“ Ob das der Grund für den kurzfristigen Rückzug durch die Autorin war, ist nicht bekannt, für Heinze aber durchaus vorstellbar.

Quelle: Dr. Victoria Meinschäfer, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf via Informationsdienst Wissenschaft (idw)


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